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Nachtfahrverbote, Tempolimits und Alternativstrecken kommen für die
Bahn nicht in Frage, wohl aber Lärmschutzfenster für die geplagten Anwohner
- Bonner Bürger reagieren mit Unmut
Von Rolf Kleinfeld Bericht: General-Anzeiger Bonn.
Bonn.
Der nächtliche Krach durch Güterzüge geht in Bonn auf unabsehbare Zeit
weiter.
Wer am Donnerstagabend bei der SPD-Bürgerversammlung in Kessenich
damit gerechnet hatte, dass die Bahn kurzfristige Maßnahmen gegen den
"Lärmterror" einleitet, sah sich enttäuscht.
Dementsprechend unzufrieden ging nach der Versammlung das Gros der mehr als
60 Bürger nach Hause. Nachtfahrverbote für Güterzüge? Rechtlich kaum
durchsetzbar, waren sich Bahn-Sprecher Udo Kampschulte und SPD-MdB Uli
Kelber einig.
Tempolimits? Einmal angefangen, würden das alle Städte fordern, außerdem
wären die Schranken dann noch länger unten. Alternativstrecken? Auch
Fehlanzeige, denn es gibt nur vier Nord-Süd-Verbindungen, andere Strecken
tragen die Achslasten nicht oder die Steigungen sind zu steil. Die SPD
bemühte sich deshalb, keine Traumschlösser aufzubauen.
Die von einigen Bürgern geforderten Tunnel-Trassen seien unfinanzierbar, man
müsse realistische Perspektiven aufzeigen - und da haben die Kommunen nicht
viele Einflussmöglichkeiten, räumte SPD-Mann Werner Esser ein: "Deshalb
konzentrieren wir uns auf Schrankenschließzeiten und Querungsmöglichkeiten."
Immerhin: Bis zum Jahr 2008 sollen in ganz Bonn 4 600 Wohnungen entlang der
Bahn lärmsaniert sein, sagte Kampschulte. Das heißt: Es gibt neue
Lärmschutzfenster, an deren Kosten sich die Hausbesitzer aber mit 25 Prozent
beteiligen müssen. Neue Lärmschutzwände sind nicht geplant.
"Ich bin nach den Gesprächen in Berlin ziemlich sicher, dass wir das
Lärmsanierungsprogramm aufstocken und für technische Änderungen des
Wagenmaterials öffnen können", kündigte Kelber an. Das heißt, Zuschüsse
sollen künftig auch für eine Umrüstung der Radreifen und Bremsen der alten
Güterwaggons fließen. Außerdem gebe es zumindest auf deutscher Seite die
Bereitschaft, lärmabhängige Preise bei der Bahn einzuführen.
Die Beförderung von lautem Zugmaterial könne dann teurer werden als
geräuscharme Waggons. Peter Schollmeier (Eisenbahnbundesamt) hält dieses
Vorgehen dagegen für rechtlich bedenklich, sagte er. Mit Unmut quittierten
die Bürger den Umstand, dass es keine Lärmgrenzwerte für alte Waggons gibt.
Ebenso kritisiert wurde, dass die Bahn AG zwar bereit ist, ihren Fuhrpark
auf leisere Technik umzurüsten, es aber nicht alleine bezahlen will. Und was
die Erschütterungen in manchen Häusern angeht, die Gläser zum Klirren
bringen, fühlt sich Kampschulte völlig machtlos: "Es gibt keine
wirtschaftliche Maßnahme, um das zu sanieren."
Was Bürger sagen
- "Es ist unerhört, immer nur von den Lärmschutzfenstern zu reden. Wir leben
doch nicht im Bunker, sondern haben auch Balkone und Gärten."
- "Wir wollen, dass jetzt etwas passiert, nicht erst in 40 Jahren."
- "Man kann die rechtlichen Rahmenbedingungen, hinter denen sich die Bahn
versteckt, verändern. Und dann kann man auch über die Fahrgeschwindigkeit
und Nachtfahrverbote reden, wie bei Flughäfen oder Autobahnen auch."
- "Man sollte lieber die Quelle des Lärms beseitigen als Mängel zu sanieren
wie im Fall der Lärmschutzfenster."
- "Warum gibt es keine Lärmgrenze für alte Waggons? Das ist eine Bevorzugung
der Bahn im Vergleich zu Flugzeug und Auto."
- "Wer den Lärm produziert, muss sich auch darum kümmern."
Neue Zählungen
Vorige Woche hat die Stadt Bonn nach Angaben von Peter Nasner
(Stadtplanungsamt) drei Tage lang jeweils 24 Stunden die Güterzüge auf der
linksrheinischen Bahnstrecke gezählt und kam auf 70 bis 80 Züge, davon fuhr
rund die Hälfte nachts.
Was die Schließzeiten angeht, seien die Schranken pro Stunde bis zu 50
Minuten geschlossen gewesen, es habe Wartezeiten bis zu 15 Minuten gegeben.
Bisher hieß es, pro Tag seien bis zu 91 Güterzüge unterwegs, die Zahl soll
laut Bahn AG bis zum Jahr 2015 um 20 Prozent ansteigen.
Zu den neuesten Zählungen merkt Anwohner Dieter Kuron an: Am Tag der
Zählungen "sind - oh Wunder - deutlich weniger Güterzüge gefahren als
gewöhnlich". Durch die derzeitige Langsamfahrstrecke dauere eine
Zugdurchfahrt merklich länger, der Fahrlärm sei aber kaum geringer.
(15.09.2006)
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