Erstellt am:
17.9.2006

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Wenig Hoffnung auf ein Ende des "Lärmterrors"

 
      

Nachtfahrverbote, Tempolimits und Alternativstrecken kommen für die Bahn nicht in Frage, wohl aber Lärmschutzfenster für die geplagten Anwohner - Bonner Bürger reagieren mit Unmut

Von Rolf Kleinfeld Bericht: General-Anzeiger Bonn.

Bonn. Der nächtliche Krach durch Güterzüge geht in Bonn auf unabsehbare Zeit weiter.
Wer am Donnerstagabend bei der SPD-Bürgerversammlung in Kessenich damit gerechnet hatte, dass die Bahn kurzfristige Maßnahmen gegen den "Lärmterror" einleitet, sah sich enttäuscht.

Dementsprechend unzufrieden ging nach der Versammlung das Gros der mehr als 60 Bürger nach Hause. Nachtfahrverbote für Güterzüge? Rechtlich kaum durchsetzbar, waren sich Bahn-Sprecher Udo Kampschulte und SPD-MdB Uli Kelber einig.

Tempolimits? Einmal angefangen, würden das alle Städte fordern, außerdem wären die Schranken dann noch länger unten. Alternativstrecken? Auch Fehlanzeige, denn es gibt nur vier Nord-Süd-Verbindungen, andere Strecken tragen die Achslasten nicht oder die Steigungen sind zu steil. Die SPD bemühte sich deshalb, keine Traumschlösser aufzubauen.

Die von einigen Bürgern geforderten Tunnel-Trassen seien unfinanzierbar, man müsse realistische Perspektiven aufzeigen - und da haben die Kommunen nicht viele Einflussmöglichkeiten, räumte SPD-Mann Werner Esser ein: "Deshalb konzentrieren wir uns auf Schrankenschließzeiten und Querungsmöglichkeiten."

Immerhin: Bis zum Jahr 2008 sollen in ganz Bonn 4 600 Wohnungen entlang der Bahn lärmsaniert sein, sagte Kampschulte. Das heißt: Es gibt neue Lärmschutzfenster, an deren Kosten sich die Hausbesitzer aber mit 25 Prozent beteiligen müssen. Neue Lärmschutzwände sind nicht geplant.

"Ich bin nach den Gesprächen in Berlin ziemlich sicher, dass wir das Lärmsanierungsprogramm aufstocken und für technische Änderungen des Wagenmaterials öffnen können", kündigte Kelber an. Das heißt, Zuschüsse sollen künftig auch für eine Umrüstung der Radreifen und Bremsen der alten Güterwaggons fließen. Außerdem gebe es zumindest auf deutscher Seite die Bereitschaft, lärmabhängige Preise bei der Bahn einzuführen.

Die Beförderung von lautem Zugmaterial könne dann teurer werden als geräuscharme Waggons. Peter Schollmeier (Eisenbahnbundesamt) hält dieses Vorgehen dagegen für rechtlich bedenklich, sagte er. Mit Unmut quittierten die Bürger den Umstand, dass es keine Lärmgrenzwerte für alte Waggons gibt.

Ebenso kritisiert wurde, dass die Bahn AG zwar bereit ist, ihren Fuhrpark auf leisere Technik umzurüsten, es aber nicht alleine bezahlen will. Und was die Erschütterungen in manchen Häusern angeht, die Gläser zum Klirren bringen, fühlt sich Kampschulte völlig machtlos: "Es gibt keine wirtschaftliche Maßnahme, um das zu sanieren."

Was Bürger sagen

- "Es ist unerhört, immer nur von den Lärmschutzfenstern zu reden. Wir leben doch nicht im Bunker, sondern haben auch Balkone und Gärten."

- "Wir wollen, dass jetzt etwas passiert, nicht erst in 40 Jahren."

- "Man kann die rechtlichen Rahmenbedingungen, hinter denen sich die Bahn versteckt, verändern. Und dann kann man auch über die Fahrgeschwindigkeit und Nachtfahrverbote reden, wie bei Flughäfen oder Autobahnen auch."

- "Man sollte lieber die Quelle des Lärms beseitigen als Mängel zu sanieren wie im Fall der Lärmschutzfenster."

- "Warum gibt es keine Lärmgrenze für alte Waggons? Das ist eine Bevorzugung der Bahn im Vergleich zu Flugzeug und Auto."

- "Wer den Lärm produziert, muss sich auch darum kümmern."

Neue Zählungen

Vorige Woche hat die Stadt Bonn nach Angaben von Peter Nasner (Stadtplanungsamt) drei Tage lang jeweils 24 Stunden die Güterzüge auf der linksrheinischen Bahnstrecke gezählt und kam auf 70 bis 80 Züge, davon fuhr rund die Hälfte nachts.

Was die Schließzeiten angeht, seien die Schranken pro Stunde bis zu 50 Minuten geschlossen gewesen, es habe Wartezeiten bis zu 15 Minuten gegeben. Bisher hieß es, pro Tag seien bis zu 91 Güterzüge unterwegs, die Zahl soll laut Bahn AG bis zum Jahr 2015 um 20 Prozent ansteigen.

Zu den neuesten Zählungen merkt Anwohner Dieter Kuron an: Am Tag der Zählungen "sind - oh Wunder - deutlich weniger Güterzüge gefahren als gewöhnlich". Durch die derzeitige Langsamfahrstrecke dauere eine Zugdurchfahrt merklich länger, der Fahrlärm sei aber kaum geringer.

(15.09.2006)
 

 
 

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