Erstellt am:2.1.2012

Die Bad Godesberger Krippe

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Die Bad Godesberger Weihnachtskrippe

Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts schufen das Ehepaar Marie-Luise und Hans-Jochim Czizek im Auftrag des damaligen Bezirksvorstehers Norbert Hauser die sog. Godesburg-Krippe, so genannt, weil die Godesburg als Bezugspunkt zu unserem Stadtteil in deren Mitte aufragt. Die Godesburg ist eine originalgetreue Nachbildung, die auf den Ergebnissen der Ausgrabungen (durch Herrn Dipl. Bauing. Fischer) basieren.  

Diese Krippe ist Eigentum der Bad Godesberger Bezirksvertretung und damit letztlich der Bürger, da sie aus Steuermitteln finanziert wurde. Sie wird traditionell auf dem Nikolausmarkt bis einschließlich dem 6. Januar – dem Drei-Königen-Tag – aufgestellt. Damit ist sie ein weiteres Novum, denn sie ist die einzige Krippe in ganz NRW, die im öffentlichen Raum ausgestellt wird.

Für Marie-Luise Czizek (1924 - 2004) und Hans-Joachim Czizek (1921 - 2007), war der Krippenbau ein ausfüllender und erfüllender 3. Lebensabschnitt nach der Pensionierung des ehemaligen Oberstleutnants der Bundeswehr im Jahr 1979. Sie schufen zahlreiche Krippen, die sich überwiegend in Privatbesitz befinden. 

Sie orientierten sich bei der Darstellung an alten historischen Krippen, die sie bei unzähligen Kirchen- und Museumsbesuchen im In- und Ausland studierten, wobei sie sehr darauf bedacht waren, die „ungeschriebenen Gesetze“ der biblischen Darstellungen zu beachten. So werden sie z. B. auch hier in der Godesburg-Krippe feststellen können, dass Maria und Josef immer in blau-roten Gewändern dargestellt sind, um nur ein Beispiel zu nennen.

 

Bei der Herstellung gab es eine klare Arbeitsteilung:

-          Herr Czizek erstellte die Körper der Figuren aus Draht und umwickelte sie mit Stoffbahnen, um ihnen die Form zu geben. Anschließend modellierte er die Köpfe, Hände und Füße. Die Glieder der Figuren sind durch diese Herstellungsweise beweglich, ihre Statik durch Bleiguss in den Beinen ausgewogen, so dass sie praktisch in jeder Haltung frei aufgestellt werden können. Das gibt den Figuren die einmalige Lebendigkeit.

-          Frau Czizek nähte dann die kunstvollen und farblich streng aufeinander abgestimmten Gewänder. Besonders für die Könige benötigte sie alte, wertvolle Stoffe, Borten und Spitzen, die das Ehepaar auf Urlaubsreisen u. a. nach Österreich und Südtirol beschaffte.

 Die Geschichte der Weihnachtskrippen geht ins bis 12. Jahrhundert zurück. So hat wohl Franz von Assisi erstmals die Geschichte der Heiligen Nacht mit lebenden Tieren und Menschen nachspielen lassen, um damit den Gläubigen das Geschehen bildhaft vor Augen zu führen.

Danach wurden zunehmend Krippendarstellungen vor allem in Klöstern, Kirchen und Schlössern aufgestellt, wobei diese sich meist auf die Darstellung der Stallszene mit einigen Schafen, einem Hirten und den Heiligen Drei Königen beschränkte. Diese Darstellungsweise hat sich diesseits der Alpen bis heute erhalten.

Anders jenseits der Alpen, ausgehend von der Gegend in und um Neapel. Hier kam im 18. Jahrhundert eine Verlagerung des biblischen Geschehens in die Gegenwart und vor allem in die eigene Umgebung (Neapel) auf. „Sie sollte den Frommen helfen, das Gefühl zu haben, den Schauplatz der heiligen Geschichte zu betreten, um sie zu möglichst tifer Meditation über den Heilsweg anzureizen.“ (Aus: „Voyage pittoresque ou description des royaumes de Naples etde Sicile“, Richard de Saint-Non, Paris 1781).

„Drei Ereignisse sind es, die in jeder neapolitanischen Krippe dieser Zeit szenisch dargestellt wurden: die Geburt Christi und die Verkündigung an die Hirten, das Markt- und Straßenleben der Neapolitaner sowie der Zug und die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ (aus: „Krippen im Bayerischen Nationalmuseum“, Hirmer Verlag München).

Dargestellt werden zumeist in simultaner Aufstellung sechs biblische Szenen, beginnend mit

  1. der Verkündigung
  2. der Herbergssuche
  3. der Geburt im Stall zu Bethlehem
  4. dem Hirtenfeld
  5. dem Königszug
  6. der Flucht nach Ägypten
  7. der Kindermord zu Bethlehem

Manche Krippen werden hingegen nicht simultan aufgestellt, sondern „wachsen“ mit Fortschreiten des Kirchenjahres. Auch sie beginnen meist mit der Verkündigung und erhalten dann nach und nach weitere Figuren hinzu gestellt, so z. B. die Stallszene an Heilig Abend und die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige am 6. Januar.

Diese Grundzüge einer Krippe setzten das Ehepaar Czizek für Bad Godesberg in Szene. So entdecken Sie hier bei einer genauen Betrachtung der Krippe einen direkten Bezug zu unserem Stadtteil:

-          am Fuß der Godesburg inmitten alter Fachwerkhäuser wie es sie in Muffendorf noch gibt, sind Figuren in der sog. Muffendorfer Tracht als Weinbauern dargestellt. Marie-Louise Czizek, orientierte sich dabei an Bildern des Malers Peter Schwingen.

-          und auf dem Moltkeplatz findet ein bunter Wochenmarkt statt, auf dem Obst und Gemüse, aber auch Geflügel, Eier, Kaninchen und Schweine angeboten werden, so wie unser Wochenmarkt noch immer stattfindet. Nur dass heutzutage keine lebenden Tiere mehr angeboten werden.

-          auch der damalige Auftraggeber, Bezirksvorsteher (die heutige Bezeichnung lautet Bezirksbürgermeister) Norbert Hauser ist als Hirte auf dem Hirtenfeld vertreten, wo wir auch Konrad Adenauer wieder finden, den besonders Marie-Louise Czizek sehr verehrte.

-          der Königszug ist besonders prachtvoll dargestellt und die Heiligen Drei Könige erscheinen mit einem großen Gefolge, Pferden, Elefanten und Kamel um den neuen König zu huldigen.

-          Aber auch das Hirtenfeld ist sehr realistisch dargestellt, mit einem Lagerfeuer, an dem sich die Hirten wärmen und wo sie sich etwas zu essen bereiten, den Tieren und natürlich dem Engel über ihnen, der sie von der Geburt des Kindes unterrichtet. Hier findet man auch Figuren wie den „Schläfer“ und den „Neinsager“ wieder, der dem Stall zu Bethlehem den Rücken zukehrt.

-          Die siebte Darstellung, der Kindermord in Bethlehem, wird auf Wunsch der Eheleute Czizek nicht aufgebaut, weil die Eheleute die Kinder, die sich gerne die Krippe ansehen kommen, nicht verstören wollten. Die Figuren für diese siebte Szene sind aber vorhanden.

Die zu den Szenen gehörenden Bibeltexte finden Sie ausgedruckt unter der jeweiligen Szene angebracht, so dass vor allem für die kindlichen Besucher, für Menschen aus anderen Kulturen und Religionen und für nicht mehr bibelfeste Besucher die Weihnachtsgeschichte in ihrer szenischen Entwicklung nachvollzogen werden kann.

 

 

 

Auf dem Foto links Dr. Martin Ammermüller (Vorsitzender  Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.) und Edith Koischwitz bei einer Krippenführung im Jahr 2011

 

 

 

 

Nach dem Tod von Hans-Joachim Czizek vermachten seine Erben der Gruppe um Edith Koischwitz, die seit der Restaurierung der Krippe im Jahr 2004 die Krippe alljährlich auf- und abbauen, Formen, Stoffe und andere Materialien, aber auch an die 100 Figuren in unterschiedlichen Größen, die er und seine Frau noch geschaffen hatten.

Die Figuren verschenkten diese weiter an das private Krippenmuseum „Krippana“ in Losheim, direkt an der belgischen Grenze. Dort wurde in einjähriger Bauzeit eine imposante Landschaft erbaut, durch die der Besucher in der Mitte hindurch gehen kann und wo rechts und links (hinter Glas) sich auf der einen Seite die biblische Szene mit Hirtenfeld, Stall und Königszug darstellt, auf der anderen Seite eine bunte Stadtlandschaft. Diese Krippe wird seither als Dauerausstellung dort gezeigt.

Mit der alljährlichen Ausstellung auf dem Bad Godesberger Nikolausmarkt und der Dauerausstellung in der Krippana wurde dem Krippenbauer-Ehepaar Hans-Joachim und Marie Louise Czizek ein verdientes Andenken geschaffen. 

Text: Edith Koischwitz

 

 Mit jedem Aufbau wird die Darstellung verändert.

  Fotos: Walter Voigt
 

 
 

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