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Im Inneren des Wahrzeichens wird
aufgeräumt
Im Frühjahr soll das Informationszentrum im Bergfried der Godesburg seine
Tore öffnen - Tafeln und Exponate erzählen die Geschichte des historischen
Gemäuers - Außensanierung beginnt 2006
Von Silke Elbern Bericht: General Anzeiger Bonn 30.12.2004
Bad Godesberg. Wenn Horst Naaß
von der Godesburg erzählt, kann es passieren, dass sich die Worte des
Bürgermeisters vor Begeisterung überschlagen. Findet das Gespräch dazu noch
in luftiger Höhe auf dem Bergfried statt, gewährt Naaß sogar einen Einblick
in seine Kindheit: "Als kleiner Junge hab' ich hier oben erfahren, dass der
Kölner Dom in 30 Kilometer Luftlinie zu sehen ist, aber nur bei
Sonnenschein."
In den Mittelpunkt rückt der Bergfried der Godesburg nach den Meldungen über
Steinschlaggefahr nun wegen der Eröffnung eines Informationszentrums. Foto:
Malsch
In naher Zukunft werden die Besucher das Aha-Erlebnis teilen können; an der
Brüstung der Aussichtsplattform sollen Bronzetafeln mit "Kölner Dom",
"Rolandsbogen" oder "Kloster Marienforst" als Orientierungshilfen angebracht
werden.
Vor zehn Jahren war Naaß einer der ersten, der die Godesburg aus ihrem
Dornröschschlaf wecken wollte. Als tapferer Mitstreiter erwies sich unter
anderem der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg. Man
plante, im Bergfried ein Heimatmuseum zu errichten.
Am Mittwoch nun verkündeten Naaß und Karl-Josef Schwalb, der
geschäftsführende Vorsitzende des Vereins, dass im Frühjahr das
"Informationszentrum zur Godesburg" eröffnet werden soll.
"Für ein Heimatmuseum fehlen uns ganz einfach ausreichend Exponate",
begründet Schwalb die Entscheidung. Ein allgemeines Burgenmuseum habe man ob
der Geschichte des Godesberger Wahrzeichens ebenfalls abgelehnt. Ähnlich sah
das auch Professor Frank Günter Zehnder, der scheidende Direktor des
Rheinischen Landesmuseums, als er mit Naaß zum Ortstermin ausrückte.
"Er hat zum Beispiel darauf hingewiesen, dass das Bauwerk von 1210 die
nördlichste Höhenburg des Rheinlandes ist und gleichzeitig als Tor zum
romantischen Mittelrhein fungiert", sagt Naaß. Gleichzeitig ließen sich
Geschichten erzählen von den Kurfürsten als Bauherrn, einem Mord, der
Erstürmung und den Menschen am Fuße der Burg.

Gezählt scheinen die Tage, in denen sich Besucher den Eingangsschlüssel im
benachbarten Restaurant abholen mussten. Bald sorgt ein Turmwächter für
Einlass. Foto: Malsch
Zehnder vermittelte den Initiatoren des Info-Zentrums mit Norbert Kühn einen
Fachmann für ihr Vorhaben. Kühn leitet das Rheinische Archiv und Museumsamt
beim Landschaftsverband Rheinland. Gemeinsam mit dem Kulturamt und
Stadtarchivar Norbert Schloßmacher entwickelte er ein Konzept, das für den
Bergfried einen Rundgang auf zwei Ebenen vorsieht.
Im heutigen Eingangsbereich soll die hölzerne Treppe nicht zuletzt aus
brandschutztechnischen Bestimmungen entfernt werden. Sie wird durch eine
dann an der Wand verlaufende Stahlkonstruktion ersetzt. "Den gewonnenen
Platz füllen wir mit der Rezeption auf, einer allgemeinen Info-Tafel zur
Geschichte der Godesburg und dem Modell aus dem Rathaus", sagt Naaß.
Im ersten Stock stehen die Zerstörung, das Schicksal der Ruine und der
Ausbau im Mittelpunkt. Die Rudimente eines Kamins möchte Kühn genauso
hervorheben wie eine andere Nische, die Exponate hinter Acryl zeigen soll.
Gleichzeitig müssen die Fensteröffnungen aus klimatechnischen Gründen
verglast werden. Markante Architektur wird speziell angeleuchtet. Ferner
soll ein kostenloses Faltblatt das Gesehene zu Hause noch einmal ins
Gedächtnis rufen. Vor dem Bergfried können Touristen nach dem Willen von
Naaß an einer kleinen Imbissbude Halt machen.

Statt Holztreppe soll eine Stahlkonstruktion für den sicheren Aufstieg
sorgen. Im ersten Obergeschoss werden später Exponate und Quellen zur
Geschichte der Burg präsentiert. Foto: Malsch
Rund 60 000 Euro hat Kühn für die Maßnahme veranschlagt. Luxus gibt es dafür
nicht, aber gut aufbereitete Geschichte. "Wir werden hier nicht die Wände
verputzen", meint Naaß. Und Schwalb ergänzt: "Die Leute müssen wissen, dass
sie in einem historischen Gebäude sind." Das merkt der Besucher, der sich
den Schlüssel im Restaurant holt, schon jetzt. Das Schloss hat seine Tücken,
das Licht für den Aufstieg funktioniert nicht und das Öffnen der Luke zur
Plattform empfiehlt sich eher für Kraftsportler.
Mit Beginn der Saison wird sich das Innere aufgeräumt präsentieren.
"Friedhelm Naujoks vom Städtischen Gebäudemanagement schätzt, dass Kühns
Kosten und damit der Termin für die Eröffnung eingehalten werden können",
meint Naaß. Die äußere Sanierung des Turms (der GA berichtete) ist von
diesen Arbeiten abgekoppelt.
"Das Gebäudemanagement will zunächst Kosten ermitteln und 2006 die Schäden
am Bergfried beheben", teilt Naaß mit. Dann haben Naaß und Schwalb
vielleicht schon ihren neuesten Plan in die Tat umgesetzt: Im zweiten
Obergeschoss soll der Heimatverein doch noch mit einem Mini-Museum Quartier
beziehen.
(29.12.2004) |
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